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Chronik 2011/12 der BOS

22.03.2012 | Kategorie: FOS  BOS 

Vortrag zum Thema 'Römische Kleidung und Militärausrüstung'

Zwei Römer besuchten die FOS/BOS Landshut-Schönbrunn

Am 22. März 2012 trafen sich im Mehrzwecksaal der BOS/FOS Landshut-Schönbrunn alle Lateinschüler der Fach- und Berufsoberschulen von Landshut und Schönbrunn zu einer Veranstaltung mit dem Titel „Römische Kleidung und Legionärsausrüstung“. Die beiden Referenten, Frau und Herr Koppenberger, waren dazu auf Einladung der Fachschaft Latein aus der ehemaligen Provinzhauptstadt Augsburg angereist. Nach ihrer Begrüßung durch den Schulleiter, Herrn Josef Westenthanner, traten sie im voll besetzten Mehrzwecksaal vor ihr Publikum, das die beiden Lehrer und experimentellen Archäologen sehr schnell durch ihre lockere und humorvolle Vortragsart für ihr Thema zu gewinnen vermochten.

Herr Markus Koppenberger – ausgestattet und gerüstet als einfacher römischer Legionär – demonstrierte und erläuterte Kleidung und Bewaffnung des gewöhnlichen römischen Legionssoldaten, dessen „kleiner Dienstanzug“ aus einem gewebten und dunkelgelb gefärbten Leinenhemd bestand, das mit einem verzierten Gürtel in Form gebracht wurde. Unter diesem Hemd wurde im Kampf, und zwar nur im Kampf, ein „subligaculum“ (Unterhose) getragen. Ein 10 bis 12 Kilogramm schweres und von einem Waffengürtel gerafftes Kettenhemd schützte seinen Träger in der Schlacht. Den gleichen Zweck erfüllte auch der aus Holzschichten zusammengeleimte, etwa 10 Kilo schwere und mit Leder überzogene Schild, der zum Schutz vor Nässe in einer Lederhülle mitgetragen werden konnte. Da die Römer keinen wasserfesten Klebstoff kannten, ging der Schild bei Regen im wahrsten Sinne des Wortes „aus dem Leim“ und wurde „weich wie ein in den Kaffee getauchter Keks“. Sein 16 bis 20 Kilogramm schweres übriges Gepäck wie Geschirr, Wasserflasche, Umhang etc. trug der Legionär an einer Holzgabel mit, die er mit der Schulter stützte und auf dem oberen Rand seines auf dem Rücken getragenen Schildes aufsitzen ließ. Als Schanzgerät führte er eine Beilhacke, einen Spaten und eine Ziehhacke mit. Seine Bewaffnung bestand in einem „pilum“, einem Speer, den man maximal 40 Meter weit werfen konnte, sowie dem „gladius“ (Schwert), und dem „pugio“ (Dolch). Insgesamt hatte ein Legionär ein Gewicht von kaum weniger als 50 Kilo zu schleppen.

Sehr viel bequemer und angenehmer gekleidet war natürlich die römische Frau, wie Frau Koppenberger anhand zahlreicher, nach historischen Vorbildern gefertigter Gewänder den Schülerinnen und Schülern vor Augen führen konnte. Die vornehme Römerin hatte Gefallen an hummerfarbener Kleidung. Das Gewand der verheirateten und auf ihren Ruf bedachten Römerin aus guter Familie verhüllte auch die Füße. Kurze Gewänder zeigten dagegen an, dass ihre Trägerin arbeiten musste. Als Mäntel dienten große rechteckige Tücher, die bei Bedarf, etwa bei religiösen Handlungen, über den Kopf gezogen wurden. Als Unterwäsche für bestimmte Tage trugen die Frauen eine Art Monatshöschen aus perforiertem Leder mit Schafwolleinlage; die Brüste wurden mit einer ca. 3, 5 Meter langen Stoffbahn nach oben gebunden.

Als Haarfarbe beliebt war vor allem blond. Wer nicht naturblond war, was selten der Fall gewesen sein dürfte, färbte seine Haare stundenlang mithilfe von urinhaltigen Mitteln und Bleichkämmen an der Sonne. Auch Haarteile und Perücken fanden Verwendung. Gerne flocht man sich blonde Zöpfe in die „Nodus-Frisur“ (Haarknoten) ein oder half mit Brennschere und Lockenwicklern nach. Ein mit Olivenöl und Cremes herbeigeführter Glanz galt als Zeichen von Reichtum. Zum Waschen der Haare verwendete man Birkenasche.

Geschminkt hat sich die vornehme Römerin, indem sie eine Art Gesichtsmaske aus weißer Paste auftrug. Ärmere Frauen versuchten mit Mehl und Kreide einen ähnlichen Effekt zu erzielen.

Obwohl den Schülerinnen und Schülern in dem knapp zweistündigen Vortrag bereits eine außerordentliche Fülle von Details geboten wurde, mündete die Veranstaltung noch in eine Vielzahl von Schülerfragen, was man als den besten Indikator sowohl für die begeisternde Fachkompetenz der Vortragenden als auch das außerordentliche Interesse der Lateinschüler an FOS und BOS für die Kultur der alten Römer werten darf.



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