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Chronik 2011/12 der BOS

23.11.2011 | Kategorie: FOS  BOS 

Aufführung des Theaterstücks 'Andorra' durch das Forumtheater am 23.11.2011

Außenseitertum und Diskriminierung sind Themen, die Menschen seit jeher beschäftigen. Es beginnt in der Klasse: Ist ein Mitschüler weniger wert, weil er Jude/ Muslim/Türke/Farbiger/Kind von Arbeitslosen usw. ist? Frisch hat beispielhaft die Fragwürdigkeit eines solchen Denkens auf die Bühne gebracht. Und weil Andri, ein junger Mensch, zum Außenseiter wird, ist sein Schicksal für Schüler besonders gut nachvollziehbar und verständlich.

 

So lautet der Begleittext des Ensembles zu seiner Neuinszenierung. Das Stück in zwölf Bildern, nach einer ersten Notiz im „Tagebuch“ 1946 und mehrmaliger Umarbeitung 1961 erschienen und in Zürich uraufgeführt , führt den Zuschauern die Judenfrage im Rahmen einer modellhaften Situation vor Augen, wobei Frisch sie im Sinne des Bibelworts: „Du sollst dir kein Bildnis machen“, auf die Problematik der Identität im Allgemeinen ausweitet.

 

Die Rahmenhandlung mit einer längeren Einführung und  der Wendung an das Publikum als „Touristen“, denen die Geschichte des Judenkinds erzählt wird, die das fünfköpfige Ensemble für seine Inszenierung einführte, mag aus pragmatischen Überlegungen heraus entstanden sein. Gleichzeitig verstärkte sie die Durchbrechung der Illusion, die Frisch durch die Vordergrundszenen beabsichtigt, in denen alle Figuren mit Ausnahme des Pfarrers jegliche Schuld am Schicksal Andris, der nach dem Einmarsch der „Schwarzen“ zur Liqidation abgeführt wird, von sich weisen. Die Darstellung der Figuren, deren Beruf und gesellschaftliche Stellung  typische Requisiten, die auf der Bühne bereitgehalten wurden, andeuteten, erhielt passend zur Dramenform des Lehrstücks umso mehr den erwünschten „Zeigecharakter“. Der Leiter der „Führung“ konnte die Perfidie des Schreiners und des Wirts, die Borniertheit des Arztes sowie die gutgemeinten, aber ins Leere laufenden Ratschläge des Pfarrers einprägsam demonstrieren. Die Durchbrechung der Illusion erzwingt eine verstandesmäßige Auseinandersetzung mit dem Stoff, dennoch war die Aufführung nicht vom erhobenen Zeigefinger dominiert. Die Truppe spielte sich zunehmend warm, die Figuren wurden lebendiger. Der Schauspieler, der den Lehrer darstellte, konnte dessen Nöte und Verzweiflung über die tragische Entwicklung, die dieser durch seine Lüge, er habe Andri als Judenkind vor den „Schwarzen“ gerettet, um nicht zugeben zumüssen, dass es sich um ein uneheliches Kind handelt, spürbar machen, besonders gelungen in seinem Gefühlsausbruch zur Allgegenwärtigkeit des Themas „Jud“. Auch die einzige Frau des Ensembles, die für die Rollen der Barblin und der Mutter Andris zuständig war, konnte immer mehr überzeugen. Wie irrsinnig weißelte sie zum Schluss, um symbolisch die Schuld zu löschen. Die Einfalt, Niedertracht und Gewaltbereitschaft des Soldaten, verkörpert durch den dritten Schauspieler im Bunde, kamen gut zum Ausdruck, die Rolle des Gesellen wirkte jedoch aufgesetzt. Was Andri betrifft, hätte man sich eine weniger statische Umsetzung und mehr Variation in Stimmführung und Intonation gewünscht. Alles in allem handelte es sich um eine handwerklich solide, gelungene Aufführung, die von den Lehrern und unseren Schülern positiv aufgenommen wurde.


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